Getriebelager erste Serie

Technik des Haflingers

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Kolja
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Getriebelager erste Serie

Beitrag von Kolja »

Hier ein kleiner Erfahrungsbericht über nicht passende Lager. Vielleicht hilft er ja jemanden sich viel zusätzliche Arbeit und Ärger zu ersparen. Falls der Bericht nicht gewünscht ist, deplatziert, oder schon bekannt ist, bitte umgehend löschen.
Es geht hier um die erste Version der Haflingergetriebe mit der geteilten Antriebswelle, bei der späteren Version mit der durchgehenden Welle passen die aktuell erhältlichen Standardlager (NA4904C3).
Zum eigentlichen Problem: Ich habe bei einem Händler (vermutlich der größte hier in AT+D) das mittlere Lager (SDP Nummer 900.6638) der Antriebswelle gekauft (Bez.: FAG NU203C3), original ist natürlich ein Steyr NU203C4 drin (C4 braucht man hier nicht C3 reicht). Also Getriebe komplett überholt und neu eingestellt, dann die beiden Antriebswellen mittels Verbindungshülse (SDP 700.2.22.065.1) verbunden und versucht in das Getriebegehäuse einzuschieben. Geht nicht :D da die Verbindungshülse nicht durch das äußere NU Lager geht, welches ja im Getriebegehäuse eingepresst sitzt.
Nun zur Ursache: Alle neuen NU203 Lager (ich habe Lager fast aller namhafter Hersteller vermessen) haben einen Innenring mit anderem Außendurchmesser. Der originale Steyr Innenring (der auf die Antriebswelle gepresst wird) hat 22,8mm Außendurchmesser, die neuen nur noch 22,1 mm. Da die Verbindungshülse ebenfalls 22,7 mm Durchmesser hat, passt sie nicht mehr durch das im Gehäuse verbaute äußere Lager. Abdrehen ist für mich keine Option, da die Wandstärke der Verbindungshülse dann von 2,4 auf 2 mm verringert wird. Die geteilte Welle ist eh nicht optimal. Wenn man so ein Lager lustigerweise montiert hat steht man nun da, mit einem komplett eingestellten Getriebesatz und kann nun sehen, wie man den Innenring und das Lager wieder ausgebaut bekommt:-) Lager geht am einfachsten.
Falls Bilder gewünscht bitte Bescheid geben.
Für das Problem gibt es sicher mehrere Lösungen, die einfachste ein Originallager verwenden/auftreiben, oder einen Händler kontaktieren, dem das Problem bekannt ist. Bis dato habe ich leider noch keinerlei Rückmeldung von dem Händler wo ich das Lager gekauft habe.
Ein weiterer Tipp: bei dem Radialschrägkugellager (SDP 900.6404) immer nachmessen ob die geforderte Vorspannung zum Druckring gegeben ist – gilt natürlich nur für neue Lager, denen nachträglich die Nute für den Sprengring eingestochen wurde.
Grüße
Kolja
P.S. Falls einer NU203 Lager braucht melden :-)
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eniac (Do Apr 01, 2021 12:41)
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Mojohand
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Re: Getriebelager erste Serie

Beitrag von Mojohand »

Hallo Kolja,
das gleiche Problem besteht bei den Radantriebswellen beim Ritzel für das Vorgelege.Da hat das Steyr Lager auch einen größeren Innenring, so kann die Welle mit montierter Mutter ins Lager eingeschoben werden.
Ich hab damals auch blöd geschaut als ich mir Normlager besorgt habe. Ich habe dann andere Muttern mit kleinerer Schlüsselweite genommen, dann ging es. Als zweite Option hatte ich damals an N203C3 Lager mit losem Außenring gedacht https://www.ebay.de/c/1272242112
müsste eigentlich funktionieren schließlich ist es doch egal wie die axiale Verschiebbarkeit realisiert wird oder liege ich da falsch ?

Grüße Bernd
Pure Vernunft darf niemals siegen.
Steyr-Daimler-Puch Crack
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Re: Getriebelager erste Serie

Beitrag von Steyr-Daimler-Puch Crack »

Das Getriebelager 900.6638 lässt sich durch bauformgleiche NU203 Lager ersetzen. Zusammenbau geht a , durch Bearbeitung der Verbindungshülse 700.2.22.065.1 an der vorderen Seite zu den Zahnrädern hin. dort muss innen die Anlaufphase für den Haltekugelbereich nach gearbeitet werden. Zuerst die kurze Getriebewelle mit Verbindungshülse einstecken, dann das Wellenteil mit den Zahnrädern, die Einklinkung erfolgt durch die Differenzial Aussparung, daher die Nacharbeit der Hülse. oder Variante b, den Aussenkäfig von Nu 203 lose mit auf die Zahnradwelle stecken, Verbindungshülse und kurzes Getriebestück verbinden und komplett in das Gehäuse einführen, Sicherungsblech der Zwischenwelle muss also demontiert sein. Die Radsätze müssen nun einzeln aufgeschoben werden( etwas Mehrarbeit, da zuerst Schaltstangen bei komplettierten Radsätzen justiert werden müssen und dann nochmal zerlegen werden)

Die NJ203 Geschichte der Vorgelege lässt sich durch abdrehen der Kronenmutteraussenkante um 2mm bewerkstelligen, da die Auflagefläche der Mutter eh weiter innen ist als die Aussenflanken und die Mutter mit einem wellverzahnten Werkzeug auf vorgegebenes Drehmoment angezogen werden kann , ist dies die einfachste Abhilfe. Gleiches abdrehen wurde werksseitig im Getriebe aus Platzgründen fabriziert, 900 .2913... Gruss Crack
Kolja
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Re: Getriebelager erste Serie

Beitrag von Kolja »

Hallo Bernd,
mit dem von Dir genannten Lager geht es problemlos (nur die Halteplatte der Lager muss angepasst werden). Die Lager wurden ja auch seitens SDP als Pos. 900.6607 verbaut (vordere Lagerung Zwischenwelle – frühe Version). Bei den Radantriebswellen mache ich das auch so wie von SDP-Crack vorgeschlagen, 2 mm von der Kronenmutter abdrehen, aber Deine Lösung mit den schmaleren Muttern gefällt mir auch sehr gut.
Ich habe das auch ähnlich wie von SDP-Crack beschrieben versucht (Version a), aber ich habe es leider nicht geschafft die lange Antriebswelle mitsamt der Feder und Kugel stabil durch das eingebaute äußere Lager zu bekommen. Da ist nicht viel Luft und Platz, der Getriebesatz wird ja schon von einigen Stehbolzen geführt. Wie gesagt ich habe es so nicht hinbekommen, geht bestimmt, nur ich bin dafür zu Ungeschickt. Zudem war auch schon die hintere Lagerbüchse zur Antriebswelle verbaut. Davon hatte ich auch mehrere beim Händler gekauft, alle fielen in das Gehäuse rein, so dass ich die Buchse auch einkleben musste. Hatte dann keine Lust das Bronzelager wieder rauszuschlagen und bin so einen anderen Weg gegangen. Die nächsten Buchsen mache ich auch lieber wieder selber.
Frohe Ostern und viele Grüße
Kolja
Steyr-Daimler-Puch Crack
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Re: Getriebelager erste Serie

Beitrag von Steyr-Daimler-Puch Crack »

Varianta a:
Die Verbindungshülse musst du parallel zu Bohrungslöchern -an der Seite die länger ist- innen mit einem Schleifer für bessere Kugel-Einführung anschleifen, damit diese leichter rutscht. Da die Hülse in diesem Bereich nicht innenverzahnt und tragend ist , ist es unbedenklich.

SCHUTZBRILLE aufsetzen damit die Kugeln nicht ins Auge gehen !

Die kurze Welle mit der Motor Kupplungsverzahnung mit der Vebindungshülse zusammen stecken ( fluchtet nur in einer Position! daher ratsam die Hauptwelle vor Endmontage probeweise zu stecken und mit Hilfe eines Stiftes die Flucht der drei Teile zu markieren..) und Hülse ca 3mm über die Rastbohrung Richtung Motor weiter drücken, damit die Kugel dieser Welle zwischen den beiden Bohrungen der Hülse liegt. Nun das Getriebe auf die linke Seite legen, kurze Welle bis Anlage an Messinglager einschieben und Bohrungen nach oben drehen. Nun Feder in die Zahnradwelle mit Fett einkleben und vorsichtig einfädeln, soweit bis die Bohrung mit Feder kurz vor dem Ende der Hülse steht. Mit Hilfe eines ca 250mm langen ca 3-4mm starken Rundmaterials welches an der Stirnseite konkav geschliffen oder gekreuzt ist ( damit die 2. Kugel gegen verrutschen gesichert wird) wird nun mit Fett die zweite Kugel daran fixiert. Zahnradwelle mit loser montierter Zwischenplatte gegen herausrutschen sichern oder zweite Person hält; Kugel in federbelastete Bohrung einsetzen-niederdrücken und Verbindungshülse Richtung Zahnräder schieben bis beide Kugel sicht- und hörbar einrasten.Fertig
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Kolja (Sa Apr 03, 2021 7:15)
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Kolja
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Re: Getriebelager erste Serie

Beitrag von Kolja »

Hallo SDP-Crack,
herzlichen Dank für die Top Beschreibung! Super, wieder was gelernt.
Ich hatte in die Hülse eine Art "Führungsnut" eingesetzt, aber wohl zu wenig ausgenommen, da die Kugel nicht reinwollte. Zumal ja die kurze (motorseitige) Welle nur in das Gehäuse eingesetzt werden kann wenn die hintere Lagerbuchse demontiert ist, habe ich dann von weiteren Versuchen abgesehen. Von "vorne" durch das Lager in das Getriebegehäuse einschieben ging bei mir jedenfalls nicht.
Danke.
Viele Grüße
Kolja
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Pinzlinger
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Re: Getriebelager erste Serie

Beitrag von Pinzlinger »

Hallo Forum,


In dem Ende der 1990er Jahren wurden die Lagerbaureihen optimiert indem man die Aussenabmessungen gleich liess und das Lager innerlich verstärkte. Mehr Traglast und weniger Reibung.

Dies erfolgte durch einen größeren Wälzkörper, was bewirkt dass manche Montagen nicht mehr funktionieren. Diese Lager sind gekennzeichnet durch ein Nachsetzzeichen, ich glaube EC oder E. Irgend sowas.

Die alten Lagerabmessungen gibt es weiterhin, halt ohne die Vorteile er Weiterentwicklung.

Vielleicht hilft das weiter.

Ich prüfe immer vorab was geht, meist gehen die neuen und die halten dann auch länger. In fast alles Fällen lässt sich die Umgebung anpassen, aber nicht immer.

Grüße

Stefan
Haflinger&Pinzgauer&Saurer
"Wenn ein Ingènieur zu träumen beginnt sticht er jeden Dichter aus"
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